Pakistan ist im Ausnahme-Zustand. 20 Millionen Menschen im Überflutungsgebiet des Indus und seiner Zuflüsse bangen um Leben und Existenz, viele von ihnen sind direkt oder indirekt von der Naturkatastrophe betroffen. Allein 6 Millionen Menschen haben Schätzungen zufolge nun mit Obdachlosigkeit zu kämpfen.
Die Lage in Pakistan spitzt sich immer weiter zu. Nachdem sich die Situation im Norden des Landes dieser Tage wieder etwas beruhigte und die Pegelstände langsam sanken, stiegen zum Wochenende in der Provinz Sindh im Süden die Wasserstände erneut an. So seien nach einem Sprecher der örtlichen Katastrophenbehörde "mindestens zwei Bezirke in Gefahr". Deichläufer und Helfer sollen jedoch bereits vor Ort sein. Am Samstag hatte man außerdem zahlreiche Siedlungen im Distrikt Shadadkot evakuieren lassen und damit zehntausende Menschen in Sicherheit gebracht.
Bei den Fluten starben nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde NDMA 1491 Menschen, 2052 weitere wurden vermutlich verletzt. Etwa eine Million Häuser sind schätzungsweise zerstört worden.Nicht zu vergessen sind zahlreiche Tiere wie Kühe, Schafe, Hühner oder auch Büffel, die zu Millionen in den Fluten ums Leben gekommen sind. Besonders verheerend ist diese Tatsache auch deshalb, weil diese Tiere für viele Menschen in Pakistan die Lebensgrundlage darstellen. Überlebende Nutztiere brauchen außerdem dringend Futter und medizinische Versorgung. Die UN prüft derzeit, welche Futterquellen überhaupt noch existieren bzw. verfügbar sind, da man nur so die Hilfsgüterlieferungen korrekt abstimmen kann. Auch Wildtiere sind bisweilen hilflos den Fluten ausgeliefert. Eine vollständige Regeneration der Flora und Fauna des Umlandes wird vermutlich Monate oder Jahre in Anspruch nehmen.
Der Internationale Währungsfond (IWF) warnt jetzt vor den möglichen volkswirtschaftlichen Folgen. So schätzt allein die die Regierung Pakistans, dass für den Wiederaufbau ein Investitions- volumen von mehr als 11 Milliarden Euro nötig sein wird. Der IWF prüft nun möglicherweise, ob bereits gewährte Darlehen (5,8 Milliarden €) aufgestockt oder umstruktriert werden können. Dennoch seien die von der UN vorerst geforderten finanziellen Hilfen in Höhe von rund 360 Millionen Euro schon jetzt weit übertroffen worden. Die internationale Staatengemeinschaft hat nämlich bereits Zusagen und Hilfen im Wert von rund 630 Millionen Euro bewilligt. Nun nahm die pakistanische Regierung sogar indische Hilfsgüter (Wert rund 4 Mio. Euro) nach erstem Zögern an.
Etwa ein Fünftel Pakistans ist überflutet. Meteorologen geben für die kommenden Wochen vorerst Entwarnung hinsichtlich Niederschlägen. Die Pegel werden wohl fallen. Dennoch ist die Infrastruktur des Landes in den betroffenen Regionen fast völlig zerstört. Die Seuchengefahr steigt und aus der Region Punjab wurden indessen schon erste Cholerafälle gemeldet. Hilfsgüter werden wahrscheinlich in den nächsten Wochen und Monaten nur sehr langsam in die überfluteten Gebiete transportiert werden können. Auf zahlreiche Opfer der Flutkatastrophe wartet bisweilen nur Zerstörung und mühselige Aufräumarbeit.